Publiziert am 8. Mai 2026, 10:58 Uhr
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Einführung «Aufsuchender Dienst Forensic Nurses» und First Responder System im Kanton Schaffhausen
Betroffene von sexualisierter oder häuslicher Gewalt haben neu die Möglichkeit, Spuren durch den Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses sichern zu lassen. Seit Anfang Mai hat der Kanton Schaffhausen ein entsprechendes Angebot im Kantonsspital Schaf...
Betroffene von sexualisierter oder häuslicher Gewalt haben neu die Möglichkeit, Spuren durch den Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses sichern zu lassen. Seit Anfang Mai hat der Kanton Schaffhausen ein entsprechendes Angebot im Kantonsspital Schaffhausen. Die forensische Untersuchung und gegebenenfalls Spurensicherung erfolgt niederschwellig, ohne Anzeigepflicht und wird durch speziell geschulte Pflegefachpersonen aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich durchgeführt. Die Schweiz hat das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) am 11. September 2013 unterzeichnet. In der Folge hat der Regierungsrat den Kantonalen Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention 2022-2026 verabschiedet, welcher den Zugang zu geeigneten Schutz- und Unterstützungsangeboten für Gewaltbetroffene sicherstellen soll. Bisher war es Betroffenen von häuslicher Gewalt gar nicht und Betroffenen von sexualisierter Gewalt nur eingeschränkt möglich, sich ohne Anzeige bei der Polizei forensisch untersuchen sowie hierbei dokumentierte Verletzungen und sichergestellte Spuren für eine allfällig spätere Strafverfolgung gerichtsverwertbar asservieren zu lassen. Diese Lücke konnte nun mit der Einführung des «Aufsuchenden Dienstes Forensic Nurses» geschlossen werden. Der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» wurde im Frühling 2024 als Pilotprojekt am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich gestartet. 2025 lag die Nachfrage mit 512 Fällen klar über den Erwartungen. In 13 Prozent der Fälle wurde nachträglich eine Anzeige erstattet, was im Vergleich zu früheren Zeiträumen ein hoher Wert ist. Auch eine Evaluation der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hebt hervor, dass das Angebot einen klaren Mehrwert bietet. Daher wird der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» per 1. Januar 2027 im Kanton Zürich in den Regelbetrieb überführt. Mit dem Abschluss einer entsprechenden Leistungsvereinbarung zwischen der Universität Zürich und dem Departement des Innern kann das Angebot des «Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses» auch im Kanton Schaffhausen genutzt werden. Damit konnte ein fachlich und qualitativ hoch kompetenter Anbieter zur Umsetzung der Massnahmen des Kantonalen Aktionsplans zur Umsetzung der Istanbul Konvention gewonnen werden. Betroffene von häuslicher oder sexualisierter Gewalt, welche primär keine Anzeige bei der Polizei erstatten, jedoch eine Befund- und Spurensicherung wünschen, können rund um die Uhr die Notfallstation des Kantonsspitals Schaffhausen aufsuchen. Zudem ist vorab auch eine kostenlose telefonische Beratung (+41 80 009 09 09) möglich. Sämtliche durch die Mitarbeitenden des «Aufsuchenden Dienstes Forensic Nurses» erhobenen Befunde und sichergestellten Spuren werden anschliessend für die nächsten 15 Jahre am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich für eine allfällige spätere Auswertung aufbewahrt. Die Inanspruchnahme des Dienstes inkl. der Aufbewahrung der sichergestellten Spuren ist für die Betroffenen kostenlos. Der Kanton Schaffhausen übernimmt im Rahmen der Leistungsvereinbarung die jährlich anfallenden Kosten von rund 95'000 Franken. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. In Zusammenarbeit mit Schutz & Rettung Zürich und dem Rettungsdienst der Spitäler Schaffhausen baut der Kanton Schaffhausen ein kantonal flächendeckendes First Responder System auf. Registrierte Ersthelfer übernehmen dabei Wiederbelebungsmassnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Noch vor den Sommerferien soll das System starten. Herz-Kreislauf-Stillstände können überall und zu jeder Zeit auftreten. Allein im Kanton Schaffhausen ereignen sich pro Jahr rund 90 Herz-Kreislauf-Stillstände ausserhalb von medizinischen Einrichtungen. Aufgrund der geografischen Gegebenheiten des Kantons Schaffhausen kann es jedoch teils länger als 10 bis 15 Minuten dauern, bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Geschulte Laien-Ersthelfer - sogenannte First Responder - können durch das Durchführen von lebensrettenden Sofortmassnahmen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und so helfen, die Überlebenschancen zu erhöhen. Bisher bestanden in einzelnen Kantonsteilen durch Mitglieder der lokalen Feuerwehren auf private Initiative betriebene First Responder Systeme. Eine flächendeckende Abdeckung fehlte jedoch. Der Kanton Zürich führte 2024 ein einheitlich organisiertes, flächendeckendes First Responder System ein. Operativ wird das First Responder System von Schutz & Rettung Zürich betrieben. Da Schutz & Rettung Zürich neben dem Kanton Zürich auch die Sanitätsnotrufzentrale (144) für den Kanton Schaffhausen betreibt und sämtliche Rettungsmittel koordiniert, wird das First Responder System aus Zürich nun auch im Kanton Schaffhausen übernommen. Der Kanton Zürich stellt das Registrierungs- und Alarmierungssystem für die First Responder kostenlos zur Verfügung. Der Kanton Schaffhausen finanziert das First Responder System materiell im Aufbaujahr mit 60'000 Franken und in den weiteren Jahren mit jeweils 35'000 Franken sowie mit einer 50%-Stelle beim Rettungsdienst der Spitäler Schaffhausen. Sämtliche interessierten Personen über 18 Jahre mit einem gültigen Zertifikat in Wiederbelebung (BLS-AED-SRC) sowie medizinisches Personal auf Stufe «HF» oder höher mit Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Schaffhausen können sich voraussichtlich noch im Mai über die Homepage www.firstresponder-sh.ch informieren und registrieren. Die Alarmierung erfolgt dann mittels einer auf dem Mobiltelefon installierten App direkt durch die Sanitätsnotrufzentrale. Hierbei werden dann die drei am nächsten zum Einsatzort befindlichen First Responder alarmiert, abhängig davon, ob diese schneller vor Ort sind als der Rettungsdienst. Die ersten Einführungskurse sollen im Juni 2026 stattfinden. Ziel ist es, rund 250 First Responder im Kanton Schaffhausen zu gewinnen und das System noch vor den Sommerferien offiziell in Betrieb zu nehmen.
